Mittwoch, 18. Juni
Die diesjährige Herrengepäckfahrt führte uns an die Lahn. Das Wetter wurde als sommerlich warm und trocken vorhergesagt. Kurzentschlossen fanden sich vier Herren unseres Vereins in den Langbooten und ein Gast im Canadier zusammen, um einige Tage auf der Lahn zu verbringen, einem der schönsten Paddelflüsse in Deutschland schlechthin. Für uns günstig gelegen und daher schnell erreicht, mit einer guten Infrastruktur überdies, fanden wir uns in Wetzlar am dortigen Kanuclub ein. Man schien aber dort mit der Fa. Lahntours ein Agreement zu haben. Die betrieben direkt nebenan einen Kanuverleih und vermarkteten den KC-Wetzlar vermutlich gleich mit. Entsprechend waren die Preise. Es gab zwar Rabatt für den DKV, aber auch satte Aufschläge. Strom für Handy laden: 5 €, Kühlschrank pro Fach: 3,50 €. „Ups“!
Wegen des Fronleichnam-Wochenendes war ordentlich Betrieb, wir setzten also besser schon heute zu dritt die
Fahrzeuge nach Limburg vor und schaukelten mit der Lahntalbahn gemütlich zurück. Gut das Paddler
untereinander bestens vernetzt sind, so konnten wir die Wagen auf dem Gelände des Limburger Clubs sicher
verwahrt abstellen.
Die beiden Verbliebenen hatten in Wetzlar schon mal die Zelte aufgebaut, so dass wir direkt zu Fuß in die Stadt
laufen konnten, um uns die Bäuche zu füllen.
Ein Kellner war gewieft und antwortet auf die Frage, welche Küche er hätte, mit: „Aus Edelstahl“! Na,
klasse - hier kehrten wir ein - der hatte Humor! Am Ende, als wir gesättigt waren, interessierte er sich
dafür, wo wir denn wohl herkämen. „Von Zuhause“, war die Retourkutsche - damit musste er rechnen.
Unseren Schlummertrunk nahmen wir wieder am Kanuclub ein - handwarm natürlich. „Püh“ - 3,50
€ - wer brauchte schon Kühlschränke!
Donnerstag, 19. Juni (Fronleichnam) 26 Km
Am ersten Paddeltag dauerte es immer etwas, bis alle Utensilien in den Booten verstaut waren, doch schafften wir es noch, vor den ersten Verleihbooten an dem engen Steg ins Wasser zu kommen. Unser Einzelcanadier-Fahrer war ein alter Hase und hielt locker mit den Seekajaks mit. Wir schippten die ersten Kilometer bis zur Schleuse Altenberg, die bereits geflutet war.
Ab kurz hinter Gießen ist die Lahn mit Selbstbedienungsschleusen ausgestattet und erlaubt bis dort den
Sportbootbetrieb. Was für uns eher hinderlich war, stellte sich für die vielen Leihbootfahrer als Gaudi
dar. Man verlor jedes Mal eine gute halbe Stunde, bis alle Ventile und Tore auf- und zugedreht waren, das musste man
bei der Tourenplanung be-rücksichtigen. Nach zwei weiteren Schleusen, in Ober- und Niederbiel,
bekam die Lahn auf den nächsten 26 Kilometern etwas mehr Schwung mit auf den Weg, so dass sich unsere
Reisegeschwindigkeit deutlich erhöhte. Sogar ein paar leichte Stromschnellen würzten uns die Weiterfahrt.
Kurz vor der Schleuse Lönberg setzte ich mich von der Gruppe mit kräftigen Schlägen ab, um das Wasser schonmal in den großen Trog zu lassen. Für die meisten Kinder, die mir dabei halfen, war das ein mächtiger Spaß. Die Fa. Lahntours schien für dieses Wochenende, alles an Booten vermietet zu haben.
Gegen 16°°° Uhr erreichten wir Weilburg, den Sterbeort Kaiser Konrads des Ersten, dem letzten Franken auf
dem
Thron, wo wir am Ruderclub gute Aufnahme erfuhren und bei dem ganzen Gewühl auf dem Wasser hier gottlob die
einzigen Gäste waren.
Abends ging es für einige zum Essenfassen und zur Ortsbesichtigung in die alte Oberstadt, andere ruhten sich lieber von der längeren Etappe aus.
Freitag, 20. Juni 25 Km
Das Frühstück verlief mit allen Annehmlichkeiten eines Bootshauses im Schatten der Bäume.
Einkaufsversuche für das nahende Wochenende scheiterten allerdings, an den weit von der Stadt entfernt
liegenden Discountern. Was blieb, war ein teurer Bahnhofskiosk.
Heute galt es, den ältesten Schiffstunnel Deutschlands zu befahren. Er schnitt die große, nicht befahrbare
Lahnschleife um die Stadt durch den Mühlberg ab und endete nach 200 Metern an einer Doppelschleuse. Ein Spurt
durch ihn ermöglichte uns das Mitschleusen in einer größeren Gruppe, hier käme es sonst leicht
zu eine Wartezeit von einer Stunde.
Nach wenigen Kilometern passierten wir den Campingplatz
Gräveneck, der am alten Verladebahnhof einer Erzgrube entstanden war und folgten dem Flusslauf in
südlicher Richtung weiter bis Aumenau, wo sich die Lahn wieder endgültig nach Westen wendet. Auch
hier war der einzige Dorfladen bereits geschlossen. Es gab aber eine Currywurst und Kaltgetränke dank Lahntours
an deren betriebsamer Bootsverladestelle.
Nochmals bekam der Fluss eine leichte Strömung, das half etwas
bei den hochsommerlichen Temperaturen. Den anvisierten Eisenbahner-Campingplatz in Spaich verschmähten
wir, wegen der komplizierten Anlegestelle. Hier hätte es sonst, unter der Bahnstrecke, über mehrere
Treppen, den dahinterliegenden Zeltplatz zu erklimmen, gegolten. Nach zwei weiteren Schleusen erreichten wir dann
den trubeligen Zeltplatz von Lahntours in Runkel gerade noch rechtzeitig, bevor sich dieser vollends mit
Menschen füllte. Ein eindeutiger Nachteil dieser Brückenwochenenden.
Die Burg Runkel war bereits geschlossen, daher taperten wir nach Zeltaufbau und Dusche in die gegenüberliegende
Neustadt und fanden hoch oben einen freundlichen Italiener fürs Abendgelage. Einen Absacker ermöglichte
dann noch die Kneipe ‘Zwitschernest‘ direkt an der Lahn mit Blick auf die alte Burg.
Man hatte dort seltsamerweise sogar Diebels Alt vom Fass im Angebot, das erleichterte die Entscheidung für die meisten sofort.
Samstag, 21. Juni 10 Km
Der heißeste Tag drohte. Daher kamen wir früh in die Puschen, gerieten aber dennoch in den Stau des leider sehr kleinen Naturanlegers an der Wiese des Platzes. Schnell waren die letzten Kilometer bis zum Endziel nun erreicht. Keine weitere Schleuse störte mehr das Fortkommen. Gut so bei der Temperatur!
Nach den beiden Hochbrücken der ICE-Eisenbahn- und Autobahntrassen hoch über dem Lahntal, wurden wir des
Limburger Domes ansichtig, der genauso auf einen riesigen Felsen gebaut war, wie die vorherige
Lubentiuskirche in Dietkirchen.
Direkt unterhalb des Domfelsens lag unser Domizil, dort hieß man uns von Seiten des Vorstandes aufs
Herzlichste
willkommen. Obwohl es sich im Schatten der Bäume auf dem Clubgelände bestens aushalten ließ, trieb
es alle Mann, ob der frühen Stunde, noch einmal durch die engen Gassen von Limburg zum Kuchen essen.
Danach verließ ich die Bande wegen eines heimatlichen Termines und machte mich mit dem Auto auf die Socken. Die anderen genossen noch den schönen Abend und wählten lieber den morgigen Sonntag für die Rückreise.

